Anja
Vor verschlossenen Türen stehen...

Endlich getraut es meinen Eltern zu sagen.... erleichterung, vielleicht sogar Hilfe erhofft. Und jetzt.... hab ich nicht mal mehr wirklich ein zuhause. Mein Vater hat nicht wortwörtlich gesagt dass er mich rausschmeissen will. Und doch war es irgendwie eindeutig...

"Es ist das beste wenn du jetzt zu deinem Freund ziehst .... oder in eine Mutter Kind einrichtung... oder ein Frauenhaus. Es gibt genug Einrichtungen für Menschen in deiner Lage. Ich bin jetzt über 50 und du bist alt genug. Ich will endlich mein eigenes Leben leben. Immerhin habe ich es nach sovielen Jahren Kinder grossziehen mir auch mal verdient. Und ich will in diesem Haus definitiv nicht noch ein Kind. Und mag das jetzt vielleicht so klingen als wenn ich und deine Mutter dich im Stich lassen wenn du uns am meisten brauchst, dann tut es mir leid. Aber das ist eine Sache die du alleine in den Griff kriegen musst. Ich kann und will dir dabei nicht helfen. Ich kann dir gerne mal einen guten Rat geben wenn du einen brauchst aber das wars dann auch schon"    ...

 

Es gibt ein Sprichwort in dem es heisst "manchmal schlagen Worte Wunden weit tiefer als ein Schwert"  genauso fühle ich mich jetzt. Und meine Mutter saß nur daneben und hat nichts gesagt... nicht ein Wort. Und auch mein Bruder saß nur mit gesenktem Kopf da. Hat mich nicht mal angeschaut, nicht ein einziges mal und ist dann weggegangen. Ich fühle mich wie irgendein Ding was keiner haben will, mit dem weder jemand was zutun haben und noch weniger jemand dafür zuständig sein will. Ein einfaches "wir sind für dich da" oder mal in den Arm nehmen hätte schon sosehr geholfen. Aber was will ich erwarten? Auf soetwas warte ich schon Jahrelang. Und stattdessen wirkt es irgendwie so als wenn sich jeder von mir wegdreht und beteuert dass er damit ja gaaar nichts zutun hätte. Ich weiß nicht was ich machen soll. Es fühlt sich an als würde ich nur noch im Kreis laufen... was bleibt mir auch anderes übrig, ich weiß ja nichtmal wo ich hinsoll. Ich bin gestern Abend nach dem gespräch erst mal zu meinem Freund gefahren. Hab gehofft dass er mich wieder auffängt... mir ein bischen halt gibt. Wie ich in die Wohnung kam hat er geschlafen. Ich kanns ihm nicht verübeln... er war müde. Ich hab ihn dann geweckt aber wirklich aufstehen mochte er nicht auch wenn er wach war. Wir lagen dann gut eine Stunde nur nebeneinander und haben uns angeschwiegen, dabei hätte jedes Wort, egal was so gut getan. Er lag zwar neben mir, aber es fühlte sich so an als wäre er gar nicht da. Ich hab geweint, die ganze Zeit. Irgendwann hat er dann gefragt was meine Eltern gesagt haben. Danach war es wieder eine ganze weile still. Später haben wir dann endlich geredet. Überlegt dass ich am Besten erst mal zu einer Beratungsstelle gehe und mich informiere wie ich eine Abtreibung bewerkstelligen kann. Ich möchte nicht wirklich abtreiben... aber ich möchte auch kein Kind. Zumindest nicht jetzt. Ich komme mit meinem eigenen Leben nicht mal richtig klar und dann ein Kind? Ich hab nicht mal Arbeit. Mein Freund ist in der Ausbildung, meine Eltern wollen nicht helfen. Wie soll ich das machen? Ich möchte so kein Kind grossziehen, allein schon des Kindes wegen. Kinder spüren wenn sie unerwünscht sind. Ich möchte kein Kind dass sich so fühlen muss. Nur bin ich in einer Zwickmühle. Ich habe kein Geld für eine Abtreibung... in dem falle wäre die Krankenkasse da um solche Kosten zu übernehmen. Aber ich bin Arbeitslos ohne Anrecht auf ALG2 oder Hartz4 bin ich auch nicht mehr Krankenversichert. Ich dürfte im moment nicht mal zum Arzt gehen. Keine Krankenversicherung ---> Keine Abtreibung. Keine Arbeit --> Keine Krankenversicherung. Schwanger ---> Bekommt man keine Arbeit. Ich renne im Kreis. Es ist zum heulen. Soll ich jetzt ein Kind bekommen nur weil ich keine anderen möglichkeiten habe? .... Das Arme Kind...
Naja ich denke das Beste ist ich geh jetzt erstmal zur Beratungsstelle, bevor ich mich noch verrückt mache. Irgendeine Möglichkeit muss es doch geben. Mein Freund meinte wenn wirklich alle Stricke reissen dann bezahlt er es eben. Aber das mag ich ihm von seinem wenigen Geld auch nicht zumuten. Dann haben wir ein paar Monate nicht mal etwas um zu leben. Manchmal hasse ich mein Leben. Die wahrscheinlichkeit trotz Pille schwanger zu werden ist heute schon so gering, fast unmöglich und doch passiert es ausgerechnet mir. Wiviele Leute versuchen jahrelang ein Kind zu bekommen und es klappt einfach nicht? Und ich werde schwanger. Das leben ist unfair... einfach unfair.

parapluesch am 11.7.07 08:21


Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt...

Eigentlich sollte jetzt schon sovieles anders sein. Ich hatte mir soviele Dinge vorgenommen um mein Leben irgendwie wieder etwas in den Griff zu kriegen. Alles hingeschmissen um noch einmal neu anfangen zu können. Ich wollte mir einen neuen Job suchen, diesmal aber auf Teilzeit um die Abendschule machen zu können. Hatte gehofft dass danach alles besser wird. Das ich mehr perspektiven habe und mich dann auch besser fühlen kann. Wieder stolz auf mich sein kann. Alles hätte so schön sein können. Und jetzt? ... Jetzt bin ich zu allem überfluss auch noch Schwanger geworden. Kein Job, keine Ausbildung, nichtmal einen guten schulabschluss und jetzt auch noch Schwanger?! Warum musste das passieren? Warum jetzt und warum mir? Ich versteh es einfach nicht. Ich musste mich die letzten Tage ersteinmal wieder etwas fangen. Ich war richtig am Boden. Ende letzter Woche war es besonders schlimm... am Wochenende gings wieder etwas. Und dann war es heute Mittag nochmal richtig schlimm. Ich wär am liebsten einfach tot umgefallen. Nichts mehr hören, nichts mehr sehen... nicht mehr fühlen. Alles ist mir momentan irgendwie zuviel. Jetzt grade geht es wieder ein bischen. Es bauen sich langsam wieder ein paar positive Gedanken auf. "Du schaffts das schon irgendwie" "Es wird schon alles wieder gut werden"... aber ich bezweifle dass positive Gedanken alleine mich lange über wasser halten werden.

parapluesch am 9.7.07 23:06





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